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Kleine Arbeitsphilosophie
“Das Gegenteil von Kunst ist gut gemeint” – diese Gottfried Benn zugeschriebene Erkenntnis, so sehe ich es, bestätigen im Bereich der künstlerischen Fotografie heute die Photoshop-Bastler und Buntbildchen-Zauberer, denen Effekte alles bedeuten und Gestaltung wenig. Die künstlerische Fotografie hat den Digital-Hokuspokus aber gar nicht nötig. In einem Jahrhundert der vorüberrasenden Bilder kann das „angehaltene Bild“ beim Betrachter mehr Erlebnisspuren hinterlassen als Photoshop-Exzesse oder effektorientierter Video-Rummel. Das angehaltene Bild ermöglicht es dem Betrachter, eine Geschichte, eine Stimmung aus einer künstlerischen Arbeit herauszulesen, herauszuhören, herauszuahnen – sie wird ihm nicht eingebleut. Vor dem angehaltenen Bild – vorausgesetzt, es ist neu gesehen – wird der Betrachter zum Mitgestalter.
Nicht das Bildmotiv macht für mich die Wirkung. Motiv kann alles sein. Zum Beispiel auch ein Keramikpüppchen. Wie man das Motiv aber sieht und gestaltend zu einer Geschichte aus kontrastierenden Lichteindrücken werden lässt – das interessiert mich. Thomas Mann hat es so formuliert: “Denn das, was man sagt, darf ja niemals die Hauptsache sein, sondern nur das an und für sich gleichgültige Material, aus dem das ästhetische Gebilde in spielender und gelassener Überlegenheit zusammenzusetzen ist."
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